Für Eltern

Ihr seid nicht allein.
Ihr macht nichts falsch.

Elternschaft mit einem Schreibaby ist eine besondere Herausforderung. Darüber zu sprechen, wie schwer diese erste Zeit sein kann, darf kein Tabu sein.

Hilfe in Ihrer Nähe finden ↗
Familie gemeinsam im Abendlicht
Rückhalt verändert alles.Für Eltern und ihre Kinder.

01 — Was betroffene Eltern sagen

Diese Zeit darf schwer sein.

Elternschaft mit einem Schreibaby ist eine besondere Herausforderung. Darüber zu sprechen, dass die erste Zeit mit dem lang ersehnten Baby nicht die erwarteten Freuden bringt, ist oft ein Tabuthema.

Schlechtes Gewissen, permanente körperliche Überanstrengung und die mentale Überforderung mit den von der Gesellschaft auferlegten Rollenbildern treibt besonders Mütter an physische und psychische Grenzen. Es ist wichtig für alle Betroffenen zu wissen: Ihr seid nicht allein! Ihr macht nichts falsch, ihr seid keine schlechten Eltern!

Babys, die Schwierigkeiten haben, sich selbst zu regulieren, schlecht schlafen und viel schreien, kommen meist ohne ersichtlichen Grund auf die Welt. Warum sie so viel schreien, kann man nicht eindeutig feststellen – und es spielen oft mehrere Faktoren eine Rolle.

Das Warum ist aber nicht ausschlaggebend. Wichtig ist, mit der Situation zurechtzukommen, Strategien zu finden, den Alltag zu meistern und das Kind und sich selbst liebevoll, geduldig und achtsam durch die schwierige Zeit zu begleiten.

Anlässlich des 20-jährigen Bestehens der SchreiBabyAmbulanz Berlin haben sich im September 2018 einige Frauen zusammengefunden, die Statements und Berichte über ihr Leben mit einem Schreibaby verfasst haben. Das Schönste an dieser Zusammenarbeit war, zu erkennen, dass es anderen genauso ergangen ist – und man sich mit großer Sympathie füreinander sofort sehr verstanden gefühlt hat. Die „ScreamQueens“ – Mütter, die lange Monate mit Schreikindern durchlebten – haben hier einige Statements, auch von Vätern, gesammelt und zur Veröffentlichung freigegeben.

02 — ScreamQueens

Wir haben
überlebt.

Mütter von ganz besonderen Kindern.

Wir sind die ScreamQueens. All unsere Kinder haben eines gemeinsam: Sie waren Schreibabys.

Die ersten Lebensmonate mit unseren Babys waren nicht geprägt von Liebe und Zuversicht, sondern von Angst, Hilflosigkeit und Verzweiflung. Von Streit mit unseren Partnern und Familien. Von Wut, von Hass. Wir haben die Schuld bei uns gesucht und auch an unserem Leben gezweifelt. Manchmal waren wir kurz davor, unsere Babys zu schütteln.

ScreamQueens nennen wir uns, weil wir am Rande des Abgrundes waren, nicht mehr weiterwussten und aufgeben wollten – aber wir haben überlebt. Darauf sind wir stolz wie Königinnen. Geschafft haben wir es nicht allein. In den SchreiBabyAmbulanzen wurden wir und unsere Babys aufgenommen. Die körperorientierte Krisenbegleitung hat uns gerettet. Heute sind unsere Familien nicht perfekt, aber voller Liebe und stabil.

Wir halten es für unabdingbar, diese Arbeit zu verstetigen. Familienstrukturen werden immer kleiner, junge Familien erfahren weniger Unterstützung – doch der Bedarf an Rückhalt wächst. Ein Schreibaby rüttelt an den Grundpfeilern einer Familie. Die SchreiBabyAmbulanzen helfen, die Familie und die Bindung zum Baby zu stabilisieren.

03 — Stimmen

Sechs Familien.
Sechs Erfahrungen.

Persönliche Berichte über Erschöpfung, Verzweiflung, Hilfe und den Weg zurück in ein stabiles Familienleben.

01
LB · ScreamQueens

Wir brauchen Hilfe.

Der Hilferuf war klar und deutlich.

Der schlimmste Moment war, als ich eine Handvoll Erdnüsse auf meinen Mann und unser Baby schmiss. Mein Kopf hatte für einen kurzen Moment ausgesetzt. Ich stand meinem Mann gegenüber, er schrie mich an, ich schrie ihn an. Auf seinem Arm unser Baby, ein paar Monate alt, es schrie ebenfalls. Ich wollte nur noch weg, fühlte mich gefangen. Andererseits wollte ich, dass er mich in den Arm nimmt. Dass unser Baby nicht mehr weint. Ich wollte einfach nur, dass alles wieder gut wird. Neben mir, auf dem Tisch, eine Schale Nüsse. Voller Verzweiflung griff ich hinein und schmiss einige Nüsse in ihre Richtung. Gottseidank traf ich niemanden – ich hatte im letzten Moment an beiden vorbei gezielt. Aber der Schock saß tief. Und der Hilferuf war klar und deutlich. Das ist der Moment, in dem manche Eltern ihr Baby schütteln, dachte ich. Gottseidank habe ich es nicht getan. Und: Wir brauchen Hilfe.

Hinter uns lagen Wochen, Monate der Verzweiflung. Wir waren komplett ausgepowert, hatten Schlafentzug, kaum Zeit zum Essen oder Duschen und vor allem niemanden, der uns hilft. Unser Kind fing zwei Wochen nach seiner Geburt an zu schreien. Wir konnten es nie ablegen. Für alles mussten wir uns abwechseln. Begleitet wurden wir von Vorwürfen aus dem Familien- und Bekanntenkreis: Wir sollten uns mal entspannen, dann entspanne sich auch das Baby.

In der SchreiBabyAmbulanz bekam ich schnell einen Termin. Paula Diederichs merkte schon am Telefon, wie schlecht es mir ging. Sie stärkte mich und meinen Mann in der Bindung mit unserem Baby und half unserem Kind, zur Ruhe zu finden. Zusätzlich kümmerte sich Claudia Theil um meine seelische Gesundung. Mein Partner und ich waren in unserer Schreibaby-Zeit kurz vor der Trennung. Mittlerweile haben wir geheiratet und sogar ein zweites Kind bekommen. Ohne Paula und Claudia hätten wir uns das niemals getraut. Unser zweites Kind ist kein Schreibaby.

02
ME · ScreamQueens

Zwei Leben gerettet.

Unser Alltag bestand nur noch aus Überleben und Aushalten.

Hätten wir nicht im Frühjahr 2016 endlich den Mut gefasst, uns an die Schreiambulanz zu wenden, wäre ich wohl nicht mehr am Leben. Damals war unser Kind ein knappes halbes Jahr alt. Monate hatten wir mit einem Kind verbracht, das mehr als die Hälfte jedes Tages geschrien, kaum geschlafen, nie im Wagen oder in einem Bettchen gelegen hat. Das hat mein Leben nachhaltig erschüttert und alles verändert.

Nichts hatten wir uns mehr gewünscht als eine kleine Familie. Nach einer schwierigen Schwangerschaft hatten wir uns niemals mit der Möglichkeit auseinandergesetzt, dass es Schreikinder gibt oder uns so etwas passieren könnte. Niemand hat uns Zuspruch gegeben, wir wurden als unfähig und der Elternschaft nicht gewachsen kritisiert.

Erst bei Paula Diederichs haben wir Verständnis und Unterstützung erfahren. In kleinen Schritten fanden wir durch die körperbezogene Arbeit einen Zugang zu unserem Kind, konnten ihm und uns helfen, Strategien zu entwickeln, zueinander und zur Ruhe zu finden. Wir haben diese unglaublich schwere Zeit überstanden, ohne unser Kind jemals zu schütteln. Ich bin Paula Diederichs und der Schreiambulanz ewig dankbar – denn sie haben zwei Leben gerettet. Meines und das meines Kindes. Wir sind eine Familie geworden.

03
AC · ScreamQueens

Es war alles dunkel.

Mit jeder Sitzung erhellte sich unser Leben.

Die Zeit nach der Geburt war für mich die Hölle. Mein Sohn schrie und schrie – bis zu 18 Stunden am Tag. Ich bin Kinderkrankenschwester. Für alle Leute um mich herum hatte ich stets einen Rat, nur mir selbst konnte ich nicht helfen. Auch an den Tod habe ich gedacht. Ich konnte das Haus nicht verlassen, da jeder etwas zu sagen hatte. Alle medizinischen Anlaufstellen sagten, ich habe ein gesundes Kind. Und warum schreit er dann? Ich bin eine schlechte Mutter. Ich habe versagt. Das Leben hatte keinen Sinn mehr. Es war alles dunkel.

Bis ich in die SchreiBabyAmbulanz zu Paula fand. Sie nahm uns auf und auf einmal verstand mich jemand. Mit jeder Sitzung erhellte sich unser Leben. Inzwischen bin ich selbst Hebamme geworden. Rückblickend, jetzt als Fachfrau, kann ich nur sagen, dass diese Arbeit eine sehr wichtige Präventivmaßnahme ist. Bei der Betreuung meiner Schwangeren und Wöchnerinnen möchte ich die Zusammenarbeit mit der SchreiBabyAmbulanz nicht missen. Sie hilft nicht nur den Frauen, sondern ganzen Familien – unabhängig vom Einkommen.

04
AO · ScreamQueens

Wir waren nicht allein.

Unsere Gefühle und Ängste wurden zum ersten Mal verstanden.

Wir waren Zombies, völlig übermüdet, chronisch erschöpft und angespannt. Wir waren wütend, verzweifelt, verunsichert und hilflos, ständig besorgt, dass unser Kind krank sein könnte, dass wir alles falsch machen und schlechte Eltern sind. Unsere Grundbedürfnisse wie essen, uns waschen und schlafen konnten kaum noch erfüllt werden. Aussagen unserer Familien waren sehr schmerzhaft und überhaupt nicht hilfreich. Es wurde schlimmer und schlimmer, unser Energielevel sank immer mehr und wir waren zunehmend isoliert.

Die Rettung kam in der SchreiBabyAmbulanz. Von Anfang an hatten wir Vertrauen, unsere Gefühle und Ängste wurden zum ersten Mal verstanden. Wir waren nicht allein und das Allerwichtigste: Wir haben nichts falsch gemacht. Unsere eigenen Bedürfnisse konnten für einen Moment in den Vordergrund rücken, wir konnten Kraft und Energie tanken und wertvolle Werkzeuge für den Alltag mitnehmen. Gemeinsam und mit Elefantenschritten kämpften wir uns zurück in unser Leben. Für die Rettung unserer kleinen Familie sind wir unendlich dankbar.

05
MO · ScreamQueens

Gerade noch rechtzeitig.

Wir begannen zu verstehen, warum Eltern ihren Kindern ernsthaft wehtun.

Jeder kennt den Ausdruck ‚schlafen wie ein Baby‘. Für uns stellte sich nach sechs Wochen nur noch eine Frage: Warum schläft unser Baby nicht? Eine verzweifelte, weinende Mutter sitzt mit ihrem Baby im Arm im Wohnzimmer, völlig erschöpft vom Tag. Wir sehnen uns nach Ruhe. Unser Baby soll endlich nicht mehr schreien. Wir fragen uns, was wir falsch machen und ergreifen krampfhaft jeden Strohhalm. Hebamme und Ärzte können uns unsere Sorgen nicht nehmen.

Unser Kind war zwölf Wochen alt und wir begannen zu verstehen, warum andere Eltern ihren Kindern ernsthaft wehtun. Das ist sehr beängstigend, denn wir lieben unsere Tochter. Aber wir waren müde und die Situation lebensbedrohlich. Rückblickend kam der erste Termin in der SchreiBabyAmbulanz viele Wochen zu spät – aber auch gerade noch rechtzeitig.

06
DL · ScreamQueens

Unser Familienleben gerettet.

Der erste Abend ohne Geschrei war fast ein Wunder.

Unsere Tochter fing am zehnten Tag nach ihrer Geburt an, jeden Abend drei bis vier Stunden am Stück laut und verzweifelt zu brüllen. Sie verspannte ihr kleines Körperchen, lief rot an und ließ sich nicht beruhigen. Wir hörten eine ungeheure Not, die aus ihr sprach und in die wir schnell zu dritt gerieten. Nach einer belastenden Schwangerschaft und einem Todesfall brauchten wir dringend Hilfe und Unterstützung.

Nach langer Suche bei Kinderärzten, Osteopathen und Hebammen hörten wir von der SchreiBabyAmbulanz in der Osloer Straße und fanden Hilfe bei Paula Diederichs. Wir erwarteten praktische Tipps. Das alles bekamen wir, aber erst nachdem wir gemeinsam Schwangerschaft und Geburt sowie die Schockmomente besprochen hatten. Wöchentliche Sitzungen und vereinzelte Anrufe halfen uns über die nächsten Wochen. Nach und nach beruhigte sich unsere Tochter – und wir auch. Der erste Abend ohne Geschrei war fast ein Wunder.

Die SchreiBabyAmbulanz hat unser Familienleben gerettet in einer Zeit, in der viel schiefgehen kann. Permanentes Geschrei ist Folter – für das Baby selbst und für alle, die es hören müssen. Wir lernten, Verständnis für unsere kleine Neugeborene zu entwickeln, sie und uns körperlich zu entlasten und mit einer gelasseneren inneren Haltung zu unterstützen. Unsere Tochter ist inzwischen eine fröhliche, entspannte, aktive und aufgeweckte Jugendliche. Wir sind der SchreiBabyAmbulanz noch heute in großem Dank verbunden.

Wenn es zu viel wird

Ihr Baby sicher ablegen.
Hilfe holen.

Wenn Sie Angst haben, die Kontrolle zu verlieren: Legen Sie Ihr Baby sicher ab, verlassen Sie kurz den Raum und holen Sie sofort Unterstützung.

Schütteln Sie Ihr Baby niemals.Notfallkontakte und Hilfe finden ↗

Kontakt

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SchreiBabyAmbulanz Berlin-MitteOsloer Str. 12
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